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Künstlerische Fotografie (Photographie), abstrakte Bilder, Kunst in der Fotografie, Strukturbilder

 

THE SECRET ART OF NATURE

Vom Wahren, Schönen, Guten

So wie jegliches Sein sich selbst genügt, so ist es auch mit jedem Kunstwerk.Ein Kunstwerk hat in erster Linie die Aufgabe etwas zu zeigen ohne es zu interpretieren. Es sollte eine Tür öffnen in eine neue, dem Betrachter bisher unbekannte Welt. Unabhängig von der Darstellung, den Bedeutungen und den verwendeten Stilmitteln hat ein Kunstwerk seine größte Aufgabe dann erfüllt, wenn es dem Betrachter Zugang zu je-nem Hintergrundelement (wie es Kandinsky in seinen kunsttheoretischen Abhand-lungen nennt) verschafft, das ihn in die Freiheit an sich entläßt. Dort begegnet der Betrachter im Wesentlichen sich selbst und dem Kern allen Seins, und dies gehört zur tief-sten und erfüllendsten Erfahrung in der Konfrontation mit einem Kunstwerk. Es gilt also in anderen Worten die Tür zu finden, die zwischen Bedeutung und Darstellungsform des Kunstwerks einerseits und der bisherigen routinierten Wahrnehmung der Welt des Be-trachters andererseits liegt. Diese Tür führt in die abstrakte Welt des Seins, in der sich der Betrachter selbst in seiner innersten Natur erfahren und begegnen kann. Ich selbst liebe die abstrakte Form der Darstellung, da sie diesem abstrakten Sein näherzuliegen scheint. Sie hilft dem Betrachter sich von den Fesseln der gegenständlichen Wahrneh-mung zu befreien. Wer kann schon die volle Bedeutung der Welt in der wir leben mit ihren bekannten Namen und Formen vollständig ausloten ohne sich auf das profane Bekannte zu reduzieren? Meine Arbeit und mein Denken unterstützt die Beweisführung, daß die "abstrakte", "gegenstandslose" Malerei und Kunst im Allgemeinen eine legitime Darstellungsform der Kunst ist, da sie sich direkt an die Ausdrucksweise der Natur selbst anlehnt.

Die Vielzahl der Darstellungsformen, Bedeutungen und Stilmittel, deren sich ein Künst-ler bedient, führt zu einer auf der Grundlage des oben Gesagten zusätzlichen, aber eben nicht ursächlichen Freude. Je mehr hier die Prioritäten vertauscht werden, desto mehr verringert sich diese Freude, Wachsamkeit und Aufmerksamkeit bei der Begegnung mit einem Kunstwerk. Dies ist auch eine Lebensschule. Der geschulte und reife Blick eines Menschen, der sich z. B. die Kunst zu leben zu eigen gemacht hat, mag in der Vielzahl der Bedeutungen und Ausdrucksformen eine ebenso große Fülle von Türen öffnen können, die ihn in diese abstrakte Welt des Seins und in die eigentliche Welt seines eigenen Seins führt, und es mag ihm gelingen diese beide Welten mitein-ander zu verbinden. In jedem Aspekt jeglicher Schöpfung ist ja diese Tür zu finden. Der darin ungeübte Betrachter verliert sich jedoch zu leicht bei einem solchen Vorgehen, er täte gut daran diese Türen vorerst nicht in den Formen und Farben dieser Welt zu su-chen. Er lerne besser aufs Neue das Staunen und vergesse was er glaubt zu wissen oder zu kennen.

Ein Kunstwerk ist ja nichts anderes als ein Schöpfungsakt, also etwas, das ebenfalls ständig in der Natur und in unserer unmittelbaren Nähe passiert. Die Natur selbst habe ich demgemäß als den größten heute und seit Ewigkeiten lebenden Künstler für mich entdeckt. Dieses allem zugrundeliegende "Hintergrundelement", um noch einmal Kandinsky zu zitieren, ist in seiner Abstraktheit ja nichts Statisches. In seiner eingegangen Verbindung mit Form, Farbe und Bedeutung der Welt (als seinem Kunstwerk), hat es in seinem abstrakten Wert Teil an der unendlichen und unerschöpflichen Schöpferkraft seines Künstleraspektes, der sich im Konkreten ausdrückt. Die Kunst des Menschen hat seine eigene Faszination, die dadurch entsteht, daß der Mensch mit seinen eigenen menschlichen Strukturen und Schöpferfähigkeiten konfrontiert wird, die ihm letztendlich seine untrennbare Verbindung mit der Natur selbst bewußt machen und mit der Quelle, aus der er letztendlich schöpft. Sein bleibt Sein. In der Begegnung inner-halb dieses Seins findet nach meinem Verständnis der eigentliche Zweck der Kunst seine Erfüllung.

Ich bin kein schaffender Künstler im herkömmlichen Sinn. Ich nehme lediglich den künstlerischen Ausdruck der Wirkungsweise der Natur mit der Brille des Zeitgeistes wahr und dokumentiere ihn. Ich beschäftige mich mit der unbelebten Materie, die vom Menschen sich selbst überlassen wurde und gemäß den Gesetzmäßigkeiten der Physik von diesem Zeitpunkt an dem Gesetz der Entropie unterliegt. Die vom Men-schen "künstlich" aufrechterhaltene Ordnung verfällt dem Wirken des einerseits nützlichen (dem der Wandlung) und andererseits künstlerischen Aspektes der Natur. Ich wur-de inspiriert in allem, das verwittert, verwest, verrottet und sonstwie ins Chaos stürzt, das Wirken dieses unsterblichen und größten aller Künstler aufzuspüren und seine Werke festzuhalten. Welche Form würde sich hier besser eignen als die dokumentarische und unverfälschte Weise der Fotografie. Die Fotografie interpretiert nicht, sie hält authentisch fest wie sich etwas zu einem gewissen Zeitpunkt, der niemals wiederkehrt, ereignet hat. Die Natur in ihrer Größe und unermeßlichen Kreativität kümmert sich nicht um ihre Kunstwerke, sie erschafft unendlich viele in jedem Augenblick. Das Meiste geht verloren, wird nicht bemerkt. Ich sehe meine Aufgabe darin hinzuweisen auf diesen großen Künstler, der oft in Bereichen um uns herum am schönsten und verwunderlichsten wirkt, für die wir am wenigsten Aufmerksamkeit aufbringen. So gehört es zu meiner Vorliebe der Schönheit und der Ordnung gerade an den Orten zu begegnen, die von uns Menschen für gewöhnlich mit negativen Werturteilen besetzt oder womöglich gar tabuisiert sind. Diese Arbeit konfrontiert und bestätigt mich erneut mit meiner tief verinnerlichten Lebenssicht, daß die Natur in ihrem wesentlichen Kern reine Schönheit ist. Da dieser Kern ihre gesamte Schöpfung durchdringt, muß folgerichtig diese Schönheit allgegenwärtig sein. In jedem Kunstwerk sind ja unendlich viele "kleinere", weitere Kunstwerke verborgen, und jedes Kunstwerk ist Teil eines größeren Zusammenhangs, einer umfassenderen Komposition. Das Wirken dieses großen Künstlers ist immer auch zweckorientiert, auch wenn dies im Detail für uns meist nicht wahrnehmbar ist. Ich stehe im Schatten dieses großen Künstlers, und mein Versuch seine Werke, die in der Schatten-Galerie unseres kollektiven Nichtbeachtens hängen, ans Tageslicht der Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu bringen, läßt mich selbst seine Werke mehr und mehr erkennen und beachten. Hierdurch erhoffe ich mir einst heraustreten zu können aus diesem Schatten, um in der vollen Erkenntnis des Seins zu leben.

Ich liebe es die Vergänglichkeit in der Natur in ihrem Aspekt der Schönheit aufzuzeigen und dadurch letztendlich auch den Sieg der Natur über den in seiner Begrenzung verhafteten Menschen. Die Zerstörung der erschaffenen Dinge des Menschen durch die Natur wird so zu einem Symbol der Befreiung auch für den Menschen. Die Vergänglichkeit führt ja letztendlich nicht ins Chaos, sondern in die Freiheit des ewig neu zu gebärenden. Das Abenteuer der Evolution und des Fortschritts. Immer aufs neue stattfindende Schöpfung kann ja nur auf der Grundlage der Vergänglichkeit des Alten stattfinden. Nicht nur im Alten und im Neuen finden wir diese atemberaubende Schönheit, geschaffen durch die Hand der Natur, sondern auch in ihren Übergängen. Denn jeder Augenblick alles Geschaffenen ist Kreuzungspunkt des Alten, des Neuen sowie des Übergangs.

Diese Erkenntnis läßt einen Joseph Beuys sagen: "Schönheit ist der Glanz des Wahren." Denn jegliches Sein trägt seine eigene, sowohl individuelle als auch universelle Wahrheit in sich. Einfach dadurch, daß es ist, daß es existiert, ist es auch wahr. Es ist Teil des Ganzen und hat sicherlich seine Existenzberechtigung, auch wenn diese für unsere Wertmaßstäbe oft nicht erkennbar ist. Der zusätzliche Umstand, daß es getragen wird von diesem Hintergrundelement, daß sein individuelles Sein Verbindung hat zu diesem universellen Sein, erhöht die Wahrheit seiner Existenz und macht sie selbst in seiner Individualität ewig. Dies ist die Bedeutung des Ewigkeitsgehaltes der Kunst und des Lebens. Der Kunst der Schöpfung an sich, die immer in Wandlung und doch immer dieselbe ist.

Dies ist ein Aspekt meiner fotografischen Arbeit, die versteckten Kunstwerke der Natur aufzuspüren und sie unverändert, dokumentarisch festzuhalten. Ein anderer Aspekt ist, dass ich das, was ich vorfinde durch eigenes Eingreifen verändere. Mit verschiedenen Mitteln trage ich dazu bei, dass ich als natürlicher Ausdruck und Handlanger dieses von mir verehrten Künstlers mein Dasein und meine Beteiligung an diesem Prozess der Wahrnehmung zum Ausdruck bringe. Dies geschieht immer auf ganz spontane Weise. Ohne dieses Vorgehen dokumentiere ich nur, mit diesem Eingreifen mache ich auf meine Existenz aufmerksam und erkenne mich und meine Verbindung zur Natur auf eine tiefere und deutlichere Weise. Es ist ein Erfahrungsprozess.

Was ich für mich herausgefunden habe: Der rechte Blickwinkel öffnet Türen über Türen. Er lehrt uns, dass Schönheit und Freude des Seins überall zu finden ist, sogar dort, wo wir dies am wenigsten erwarten. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Negativität von diesem höchsten Blickwinkel gibt es nicht. Es sind dies meine eigenen begrenzten Wertmaßstäbe und die darauf basierenden Beurteilungen, die für mich das aufteilen, was seiner eigentlichen Natur nach ganz ist. Die unangenehmste Nebenwirkung von dieser Form der Wahrnehmung ist die, dass ich selbst dadurch zerteilt werde, und dass ich Mühe habe meinen sogenannten Schatten ins Licht der Erkenntnis zu bringen, dem Licht der eigentlichen Natur des Lebens, oder wie es Plato ausdrücken würde: "Dem Bereich des Wahren, Schönen und Guten." - dem Bereich reiner Existenz, reinem Leben.

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